[…] Im Jahr 1954 fand die Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz statt. Das war ein Grund für die drei Gonzerather Wirte, Fernseher anzuschaffen. In jedem der drei Säle verfolgten jeweils etwa 200 Zuschauer das Endspiel gegen Ungarn. Die nur 30 Zentimeter großen Bildschirme standen auf den Bühnen der Säle und übertrugen das Spiel, das kurz vor Schluss mit 3:2 von einem Tor des unvergessenen Helmut Rahn zugunsten Deutschlands entschieden wurde. Dieser Sieg wurde anschließend euphorisch gefeiert und hierbei floss der Alkohol in Strömen.

Dieser WM-Sieg trug mit dazu bei, dass das Selbstvertrauen der Deutschen, welches durch den Krieg doch sehr gelitten hatte, wieder wuchs. Deutschland war wieder auferstanden und das wirkte sich auch auf die wirtschaftlichen Aktivitäten immer mehr aus. Es wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Landwirtschaft wurde mehr und mehr zu einem Nebenerwerb.

Es begann eine rege Bautätigkeit, wobei die sogenannte „Nachbarschaftshilfe“ eine große Rolle spielte. Bald stand vor fast jedem Haus ein Auto, mit dem werktags zur Arbeit gefahren und sonntags Ausflugsfahrten unternommen wurden.

Aufgrund der allgemeinen guten Wirtschaftslage erschloss sich außerdem eine neue Erwerbsquelle für die örtliche Gastronomie. Speziell aus dem Ruhrgebiet und dem benachbarten Saarland kamen im Sommer Urlauber, Sommerfrischler genannt, in Scharen nach Gonzerath, um in der schönen Hunsrücklandschaft ihre Ferien zu verbringen. Ab Mitte der 1950er-Jahre zählte man in den Sommermonaten über 100 Sommerfrischler, die überwiegend im Gasthaus „Zur Linde“ und Gasthaus „Zur Post“ untergebracht waren. Da dort jedoch nicht genügenden Betten vorhanden waren, wurden die Gäste zum Schlafen bei privaten Zimmervermietern untergebracht, die sich damit ein Zubrot verdienen konnten. Zum Fremdenverkehrsboom trugen außerdem die damals sehr günstigen Pensionspreise bei. So zahlten die Gäste in den ersten Jahren für die tägliche Vollpension mit insgesamt vier Mahlzeiten einschließlich Nachmittagskaffee und Übernachtung 7,50 DM pro Person.[…]

[…] Es fiel auf, dass nur Positives von den Kriegserlebnissen erzählt wurde. Nach den überstandenen Strapazen wollten die Menschen vermutlich einfach nur fröhlich sein. Auf den drei Dorfsälen spielten die örtlichen Dorfmusikanten zum Tanz auf. Alfred Müller und Theo Gorges mit ihrem Schifferklavier sowie Ernst Herlach als Schlagzeuger brachten die Gäste in Stimmung. Diese brachten ihren eigenen Wein mit, den sie bei den Moselwinzern gegen Naturalien gehamstert hatten. Damit auch der Wirt auf seine Kosten kam, wurde pro Flasche ein sogenanntes Stopfengeld bezahlt.

Eigentlich ging es allen schon wieder recht gut. Die Bauern schlachteten regelmäßig ein Schwein und auch schon mal ein Rind für ihren Fleischbedarf. Obst, Gemüse und Salat kamen aus dem eigenen Garten, aus dem selbst angebauten Korn und Weizen wurde Mehl zum Kuchen- und Brotbacken gemahlen. In den vier genossenschaftlichen Backhäusern, Backes genannt, war immer Betrieb. Jedes Mitglied hatte seinen festen Brotbacktag und der Samstag durfte von allen zum Kuchenbacken genutzt werden.[…] 

[…] Als es im Jahre 2006 zwischen ihm und der Gemeinde zu Unstimmigkeiten kam, vermietete er das Gebäude kurzfristig an die NPD. Die rechtsextreme Partei nutzte es als Schulungs- und Versammlungsraum und veranstaltete hier schon am 3. Dezember 2006 ihren Landesparteitag. Dies löste heftigen Widerstand bei der Dorfbevölkerung aus. Offiziell wurde das Haus als „Schinderhannes Schulungszentrum“ ausgewiesen. Die Aktivitäten der NPD wurden von der Dorfbevölkerung missbilligt und lösten immer größeren Widerstand aus. […]

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