Das Achtelchen

In Gonzerath wurde in früheren Zeiten, vor allem von der älteren Generation, gerne und ausgiebig sowie überwiegend in geselliger Runde im Wirtshaus Schnaps getrunken. Bei solchen Anlässen kam das Achtelchen zum Einsatz. Dies ist ein karaffenartiger Glasbehälter mit einem Inhalt von 125 Milliliter. Das Achtelchen wurde mit Branntwein, meistens Trester, gefüllt. Das Trinken unterlag einem bestimmten Ritual. Wer das Achtelchen bestellte, schenkte zuerst seinem Nachbarn zur Rechten ein. So ging es reihum im Urzeigersinn weiter, bis das Achtelchen leer war. Wer das letzte Glas leerte, musste ein neues Achtelchen bestellen. Auch wer sich selbst einschenkte, musste einen ausgeben. Manchmal wurde das leere Achtelchen auch flach auf den Tisch gelegt, und mit Schwung gedreht. Derjenige, auf den die Öffnung zeigte wenn es wieder ruhig lag, musste die nächste Runde ausgeben. Um einen neuen „Spendierer“ zu finden, gab es den weit über Gonzerath bekannten Spruch: „Kneff, Eich hänn Deine Vadder goud kannt, geff mol e Achtelche aus.“ Heute kennt man das Achtelche kaum noch. Nur ab und zu wird noch in geselliger Runde spaßeshalber diesem alten Brauch gefrönt. Auch sind die wenigen noch vorhandenen Original-Achtelchen mittlerweile ein beliebtes Sammelobjekt. Im Gasthaus zur Post in Gonzerath hat es einen Ehrenplatz.

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